Wochenbettdepression erkennen & behandeln

Wochenbettdepression erkennen & behandeln

Dein Baby ist geboren und statt des erwarteten Mutterglücks schleichen sich Gefühle der Traurigkeit und des Versagens ein? Du scheinst reizbarer als sonst und dir ist alles zu viel? Du fragst dich, ob das der Babyblues ist oder ob es vielleicht doch eine Wochenbettdepression sein könnte? In diesem Artikel erfährst du, wann man von einer Postpartalen Depression spricht und wie du diese am besten erkennen sowie behandeln kannst.

Viele Gefühle - eine Diagnose

Unter einer Wochenbettdepression oder Postpartalen Depression, versteht man umgangssprachlich verschiedene Stimmungsveränderungen. Diese drei Beschreibungen existieren im allgemeinen Sprachgebrauch:

  1. Die Wochenbettdepression 
  2. Der Babyblues oder auch "Heultage" genannt 
  3. Die Wochenbettpsychose 

All diese Diagnosen werden häufig fälschlicherweise unter dem Begriff "Wochenbettdepression" zusammengefasst. Dabei sind sie in der Symptomatik und Behandlung sehr unterschiedlich.  

Babyblues & Wochenbettdepression: Was ist der Unterschied

Merkmale des Babyblues

Die Wochenbettdepression lässt sich nicht einfach von dem sogenannten Babyblues unterscheiden. Unter anderem wird der Babyblues auch "Heultage" genannt. Der Babyblues beschreibt ein vorübergehendes Stimmungstief, das einige Tage nach der Geburt bei der frischgebackene Mama auftreten kann. Dabei bricht sie wie aus heiterem Himmel in Tränen aus. Gepaart mit Müdigkeit sowie wechselnden Stimmungslagen tritt der Babyblues zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt auf und verschwindet meist von alleine. Als Ursache wird der starke Hormonabfall nach der Geburt vermutet. 

Die Geburtserfahrung hat ebenfalls einen Einfluss darauf, ob ein Babyblues auftritt. So tritt das Stimmungstief häufiger bei Müttern auf, die eine eher unschöne Geburtserfahrung gemacht haben oder eine plötzliche Wende im Geburtsverlauf erlebten. Den Babyblues erkennt man daran, dass die frisch gebackene Mama reizbarer auf äußere Umstände reagiert. Sie ist weinerlich und macht sich mehr Sorgen um die Zukunft. Zudem können Verwirrung sowie Konzentrationsschwierigkeiten zu den Symptomen zählen. 

Auch wenn der Babyblues meist von selbst verschwindet, solltest du dich an eine vertraute Person wenden und über deine Sorgen sprechen. Verschwinden die Symptome jedoch nicht nach einigen Tagen, kann sich aus dem harmlosen Babyblues eine ernst zunehmende Wochenbettdepression entwickeln, die behandelt werden muss. Sprich daher auf jeden Fall über deine Gefühle und verschließe dich nicht, wenn du dich nicht gut fühlst.

Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?

Da die Symptome der Wochenbettdepression sehr vielfältig sind und nicht bei jeder Mama identisch auftreten, lässt sich die Wochenbettdepression schwerer von dem sogenannten Babyblues unterscheiden. Eine Postpartale Depression tritt bei 10 bis 15 Prozent der frisch gebackenen Mamas auf. Außerdem kann sie bis zu 12 Monate nach der Geburt noch aufkommen. Sie lässt sich meist nur mit einer psychologischen Behandlung lösen. Anzeichen für eine schwerwiegende Depression können von Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, bis zu Ängsten und Taubheitsgefühlen reichen. 

Symptome einer Postpartalen Depression: 

  • Traurigkeit
  • Antriebslosigkeit 
  • Schlaflosigkeit
  • Schuldgefühle
  • Gefühl von Wertlosigkeit/Sinnlosigkeit
  • Verminderte Libido 
  • Taubheitsgefühle 
  • Ängste und Panikattacken 
  • Herzbeschwerden 
  • Gefühl von Hoffnungslosigkeit 
  • Desinteresse (auch an Kind und Familie) 

Die ersten Symptome zeigen sich meist schleichend und werden daher häufig übersehen. Oft zeigt sich eine Wochenbettdepression an fehlenden Gefühlen dem eigenen Kind gegenüber. Was wiederum zu einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung führen kann und womöglich die Entwicklung deines Säuglings einschränkt. Eine solche Situation macht es besonders schwierig für die frisch gebackene Mutter, ihre eigenen Gefühle zu akzeptieren und sich Hilfe zu suchen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du mit einer vertrauten Person darüber sprichst, wenn dich Gefühle der Traurigkeit oder Hilflosigkeit ereilen. Fällt es dir schwer mit deinem Partner über deine Emotionen zu sprechen, kann die Hebamme der erste Ansprechpartner sein und dich bei der Suche nach einem geeigneten Psychologen unterstützen. 

Die Wochenbettpsychose

Die schwerste Form der Postpartalen Verstimmungen ist die Wochenbettpsychose. Sie tritt bei ungefähr 2 Prozent der Frauen nach der Geburt auf und äußert sich meist schon einige Wochen postpartal. Die Symptome sind ähnlich einer Depression. Es kommt aber zusätzlich zu Veränderungen des Denkens und Verhaltens. Ebenfalls sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen nicht unüblich. Vermutest du eine Wochenbettpsychose bei dir selbst oder einer nahestehenden Person ist eine stationäre Behandlung auf jeden Fall notwendig! 

Hormone als Ursache für Postpartale Depression

Gefühle der Hilflosigkeit und Traurigkeit sind kein Grund sich zu schämen. Die Ursache für Postpartale Depressionen liegt nicht an mangelnder Empathie, sondern oft zählt die plötzliche Hormonumstellung als Auslöser. Da in der Schwangerschaft die Hormone Progesteron und Östrogen noch in großen Mengen in unserem Körper kreisen, fallen sie nach der Geburt deines Kindes rapide ab. Denn dein Körper und dein Hormonhaushalt passen sich im Wochenbett an, um sich wieder an ein Leben ohne Baby im Bauch einzustellen. Progesteron und Östrogen wirken stabilisierend im Gehirn und steuern Depressionen und Psychosen entgegen. Der schnelle Abfall führt vermutlich zu einem Ungleichgewicht.

Denn stattdessen wird vermehrt das Stillhormon Prolaktin ausgeschüttet, was zu Stimmungsschwankungen und Traurigkeit führen kann. Ebenso sind Stoffwechselumstellungen sowie wie Schilddrüsenveränderungen mögliche Ursachen. 

Es ist in Ordnung nach Hilfe zu fragen

Die allgemeine Überforderung zu Beginn des neuen Lebensabschnitts sollte nicht als Ursache unterschätzt werden. Denn obwohl du womöglich seit Jahren von diesem Moment geträumt hast, kommt dein kleines Wunder mit vielen Bedürfnissen und neuen Herausforderungen für dich auf diese Welt. Da ist es vollkommen normal, dass dir einmal die Decke auf den Kopf fällt.

Die familiäre Unterstützung sowie die finanzielle Situation werden daher ebenfalls als mögliche Risikofaktoren vermutet. Zudem können psychische Erkrankungen der Frau, die schon vor der Schwangerschaft bestanden, das Entstehen einer Wochenbettdepression begünstigen.

Diagnose & Behandlung einer Wochenbettdepression

Der Verdacht einer Postpartalen Depression wird meist von der Frau selbst oder nahen Angehörigen geäußert und durch den behandelnden Arzt bestätigt. In jedem Fall ist eine psychologische Betreuung und die Unterstützung im Handling mit dem Neugeborenen sowie den täglichen Aufgaben im Haushalt sinnvoll. 

Familienangehörige oder eine Haushaltshilfe können als Unterstützung unter die Arme greifen. Ebenso sollte der Partner/die Partnerin in die Behandlung mit einbezogen werden, um die frisch gewordene Mama bestmöglich unterstützen zu können und ihre Heilung zu beschleunigen. Manchmal kann auch zusätzlich eine medikamentöse Behandlung, in Form von Antidepressiva empfohlen werden, um den Fortschritt der Therapie zu fördern. In besonders schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung in speziellen Mutter-Kind-Kliniken ratsam.

Sprich mit einer Person deines Vertrauens

Gehörst du zu einer Risikogruppe oder zeigen sich erste Symptome nach der Geburt, scheue dich nicht mit deinem Partner/in, deiner Hebamme oder einer Person deines Vertrauens darüber zu sprechen. Auch über offizielle Anlaufstellen kannst du nach Hilfe fragen. Eine Wochenbettdepression kann jede frisch gebackene Mama betreffen und ist nichts, wofür du dich schämen musst. Mit einer rechtzeitigen Diagnose sowie der richtigen Unterstützung lässt sie sich gut behandeln. So wirst du schon bald wieder fit sein, um dich deinem kleinen Liebling zu widmen!

Wochenbettdepression erkennen & behandeln
  • Hebamme Vivian Fassbender

    Autorin: Hebamme Vivian Fassbender

    Als Hebamme begleitet und unterstützt Vivian Fassbender Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett. Nun schreibt die Hebamme für die Wunderwiege und teilt ihr Expertenwissen gerne mit uns und dir. Mehr erfahren

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