Babys erster Wachstumsschub - So entwickelt sich dein Kleines

Babys erster Wachstumsschub - So entwickelt sich dein Kleines

Endlich ist es da, dein kleines Baby – 9 Monate hast du es in dir getragen, es versorgt und beschützt, und ehe du dich versiehst, hältst du dein kleines Wunder in den Armen. Während der nächsten 14 Monate wird dein Baby acht Wachstumsschübe erleben. Genau genommen ist ein Wachstumsschub vielmehr das Erreichen der nächsten Entwicklungsstufe. Die zeitliche Abfolge ist erstaunlicherweise bei termingerechten Babys ziemlich einheitlich und hat maßgeblich mit dem Nervenwachstum im Gehirn zu tun.

Von nun an muss es lernen, vieles alleine zu tun: Atmen, die Körpertemperatur halten bzw. regulieren, sich darum kümmern, dass Mama immer weiß, wann es Hunger und Durst hat – das ist für die Babys erst einmal eine große Umstellung. In den ersten Tagen nehmen sie daher auch an Gewicht ab. Der Körper muss einfach viel mehr Energie aufwenden, um zu überleben. Nach und nach pendelt sich das allerdings bei den meisten Babys gut ein. Nun kann mit dem Wachsen begonnen werden. Ich erlebe viele Familien, denen die erste Zeit mit dem Neuankömmling viel zu schnell vergeht. Man gewöhnt sich aneinander, der Alltag ist einfach nicht mehr wie vorher, man hat Verantwortung für einen hilflosen kleinen Neuankömmling übernommen und von heute auf morgen ist das Baby schon mobil.

Die ersten Tage klappen meist noch reibungslos

Die ersten Tage mit dem Neugeborenen klappen noch reibungslos. Ist der Milcheinschuss erst einmal bewältigt, pendelt sich der Rhythmus von Mama und Baby schnell ein. Der Alltag zuhause ist oft entspannter als in der Klinik, die Mama ist noch voller Glückshormone und man ist einfach nur überwältigt und dankbar. Doch nach ein paar Wochen ändert sich oft einiges. Ich werde von meinen Wöchnerinnen gefragt, was denn plötzlich mit dem Baby los ist, es schreit vermehrt, ist unzufrieden, trinkt schlecht, schläft weniger bis gar nicht und scheinbar nichts hilft gegen diese Unzufriedenheit. Es kann sogar sein, dass sich dein kleiner Schatz zu einem sogenannten Schreibaby entwickelt.

Zugegeben: Die erste Zeit ist ganz schön anstrengend

„Und da ist er – der erste von acht Wachstumsschüben“ bekommen die Mütter dann von mir gesagt. Das kann eine wirklich anstrengende Zeit sein und nicht selten sind die Mütter ein Nervenbündel, doch so plötzlich der Schub kommt, so plötzlich verschwindet er oft wieder.

Das macht es für die Mütter nicht unbedingt leichter, denn sobald er vorbei ist, vergessen sie auch, wie schlecht es ihnen in dieser Zeit gegangen ist. Während der anstrengenden Phase sucht man nach Leidensgenossinnen, um darüber zu sprechen. Aber in der heutigen Zeit beobachte ich oft, dass viele ihre Probleme lieber selber mit sich ausmachen, als sie offen nach außen zu tragen. Man bekommt oft wenig Unterstützung von außen, da es ja „so schlimm gar nicht war“ und die Mütter es, wie gesagt, viel zu schnell wieder vergessen. Nach ein paar Tagen ist es wieder vorbei und man möchte ja auch keine Schwäche als Mama zugegen, als hätte man sein Kind nicht unter Kontrolle…

Doch da möchte ich euch sagen, unterstützt euch gegenseitig und holt euch Hilfe von Papa, Oma, Opa oder Freunden. Hilfe anzunehmen ist keine Schande und verhilft dir nur zu mehr Energie für dein Baby.

Rund um die 5. Woche geht’s mit dem ersten Wachstumsschub los

Oft ist es rund um die 5. Woche so weit, dass das Baby den ersten Wachstumsschub macht. Hierbei ändert sich die ganze „Weltanschauung“ des Babys. Es nimmt die Dinge plötzlich anders wahr, wird aufmerksamer und erlernt vielleicht sogar eine neue Fähigkeit. Neugeborene sind von Natur aus neugierig, sie interessieren sich für die Welt um sich herum. Manche lauschen mehr den Geräuschen der Umgebung, andere beobachten lieber oder fühlen.

Was aber kann denn das Neugeborene nun schon wahrnehmen?

Du wirst überrascht sein, was dein Baby alles schon mitbekommt, obwohl es ja noch so klein ist. Mit dem ersten Wachstumsschub werden die Sinne geschärft.

Sehen & Hören

Bis vor kurzem ist man davon ausgegangen, dass Babys kaum etwas sehen. Jedoch ist man sich heutzutage sicher, dass Babys perfekt sehen können, jedoch nur auf eine Entfernung von 20 cm. Entferntere Dinge sind vermutlich verschwommen. Zu Beginn seines Lebens muss das Baby aber erst noch lernen, die Augen offen zu halten und beide Augen auf etwas zu fokussieren.

Auch Hören kann das Baby schon sehr gut. Die Stimme der Mama ist dem Baby schon im Bauch vertraut. Manche werdenden Eltern spielen dem Baby während der Schwangerschaft eine Spieluhr vor. Dieses Geräusch wird dem Neugeborenen dann auch als vertrautes Geräusch bekannt sein, sobald es auf der Welt ist. Babys mögen Musik, brummende, rauschende, rhythmische Geräusche. Ich habe schon oft gehört, dass Babys sich vom Geräusch des Staubsaugers oder Föhn beruhigen lassen. 😉

Riechen & Schmecken

Auch Gerüche können Babys schon riechen und unterscheiden, was gefällt und was nicht. Meist sind es scharfe oder brennende Gerüche, die das Kleine gar nicht mag, da sie Gefahr signalisieren. Vor allem aber den Körpergeruch der eigenen Mama liebt das Baby und ich bin immer wieder überrascht, wie gut der kleine Schützling diesen Geruch erkennen kann. Oft lässt sich ein Baby schlechter von Papa oder Verwandten beruhigen, wenn die Mama (alias Milchbar) im Raum ist.

Auch wenn Neugeborene erstmal nur Milch als Nahrungsmittel kennen, können sie schon verschiedene Geschmacksrichtungen registrieren, am liebsten natürlich die süße (Mutter-)Milch. Saures oder gar Bitteres wird sofort ausgespuckt.

Greifen

In den ersten Wochen kann das Baby noch nicht gezielt greifen, jedoch kann es trotzdem sehr gut mit dem Körper fühlen. Temperaturschwankungen, Hautkontakt, ein Luftzug auf der Haut, das alles nimmt das Baby war und du wirst feststellen, dass es mit Genugtuung auf allerlei Arten von Körperkontakt reagiert. Es spürt so die Nähe und Geborgenheit und lässt sich leichter beruhigen.

Meine absoluten TOP 5, um dein Baby während dieser Zeit zu unterstützen:

  • Lass dein Baby das Ruder übernehmen. Gib ihm die Zeit, das es braucht, um in der Welt anzukommen.
  • Neue Eindrücke sind anstrengend! Achte darauf, dass dein Baby sich nicht überanstrengt und gönne ihm ausreichend Pausen.
  • Sprich mit deinem Baby. Deine Stimme ist ein vertrautes Geräusch und schärft zugleich die Sinne.
  • Leichte Berührungen stimulieren das Baby. Kitzeln ist meist aber schon zu viel des Guten.
  • Kuscheln hilft. Dein Baby fühlt sich geborgen und kann sich so besser entspannen.

Reflexe sind lebenswichtig

Zu Beginn ist das Baby noch sehr auf seine Bezugspersonen angewiesen. Bewegungen entstehen hauptsächlich durch Reflexe. Es denkt nicht, dass es in Bauchlage am besten den Kopf seitlich legen sollte, da es sich so besser Atmen lässt. Nein, das passiert einfach! Zu Beginn haben Babys noch sehr viele Reflexe, die sich im Laufe der Zeit (von Wachstumsschub zu Wachstumsschub) verabschieden. Die Babys lernen, bewusst Bewegungen auszuführen, bis schlussendlich nicht mehr viele Reflexe übrig sind. Bei uns Erwachsenen ist beispielsweise noch der Atemreflex oder das Blinzeln übriggeblieben. Wir denken darüber gar nicht nach, wir atmen und blinzeln einfach ganz unbewusst.

Der Greifreflex

Der Greifreflex ist vielen in Bezug zu Neugeborenen sicherlich ein Begriff. Mamas mit langen Haaren können bestimmt ein Lied davon singen und sind überrascht, wie scheinbar gezielt und fest sich das Baby in den Haaren festkrallt und nicht mehr loslässt.

Reflexe sind allgemein gesagt dafür da, um den Normalzustand wiederherzustellen. Manchmal ist es aber nicht so einfach und das Baby muss sich so von Beginn an darauf verlassen, dass sich eine weitere Bezugsperson darum kümmert, dass seine Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Wärme gestillt werden. Deshalb schreien Babys, um auf sich aufmerksam zu machen, „Achtung, ich brauche Hilfe“. Babys sind, wie gesagt, sehr auf ihre Bezugsperson angewiesen.

Das Kleine ist neugierig, möchte Neues entdecken. Du kannst dein Baby dabei unterstützen, indem du ihm die Wohnung zeigst und Dinge erklärst. Eigentlich ist es egal, was genau du ihm sagst, es genießt einfach den Klang deiner Stimme, die Gegenstände, die es sieht. Achte darauf, dass nicht so viele Sinneseindrücke auf einmal einprasseln, denn es ist schwierig, dem Klang der Stimme zu lauschen, wenn nebenbei der Fernseher oder Radio läuft. Babys verarbeiten die neuen Eindrücke oft in der Nacht. Damit es gut zur Ruhe kommt, ist es sinnvoll, bald eine Tages- und Schlafroutine einzuführen.

Schon bald lernt dein Baby seine Sinne zu schärfen

Mit der Zeit werden die Sinneswahrnehmungen geschärft und scheinbar vom einen auf den anderen Tag ist die Wahrnehmung eine andere. Das macht das Baby unsicher. 

Wir kennen das doch selbst: Ungewohntes macht im ersten Augenblick Angst und wir müssen erst eine Strategie entwickeln, um damit umzugehen. Da Babys noch nicht so weitsichtig sind wie wir Erwachsenen, fällt es ihnen zu Beginn umso schwerer, sich auf die neue Situation einzustellen. Das einzig Vertraute ist und bleibt seine Mama. Daher sucht es auch so nach Nähe, möchte am liebsten nur von Mama getragen werden oder kuscheln. Es versteht nicht, warum plötzlich alles anders ist. Mamas Geruch, die Wärme, die Stimme – all das beruhigt dein Baby und gibt deinem Kleinen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Viele Mamas berichten, dass das Baby nun häufiger als sonst an die Brust will, am liebsten nur noch getragen oder im Kinderwagen gefahren wird. Das ist auch in Ordnung so und wird sicherlich keine negativen Aspekte herbeirufen. Lass dich bitte nicht davon verunsichern, dass das Baby dir vermeintlich auf der „Nase herumtanzt“, so weit denken Neugeborene noch gar nicht. Sie brauchen einfach deine Nähe. Oft dauert dieser Wachstumsschub nur ein paar Tage und danach wirst du feststellen, dass dein Baby entspannter und zufriedener denn je ist. Es kann gut sein, dass dich dein Baby nach dem ersten Schub das erste Mal anlächelt. Das ist doch die beste Entschädigung für diese anstrengende vorangegangene Zeit. Während dieser Phase machen die Kleinen auch körperlich einen enormen Reifungsprozess durch. Oft werden Verdauungsstörungen überwunden, der Stoffwechselprozess verändert sich oder die ersten Tränen fließen beim Weinen. Das Baby ist nun kein Neugeborenes mehr.

Der nächste Wachstumsschub kündigt sich an

Rund um die 8. Woche kündigt sich oft schon der nächste Wachstumsschub an, das Baby wird „schwierig“ – daran erkennen die meisten Eltern, dass sich wieder etwas in der Entwicklung tut. Während dieser Zeit entdeckt dein Baby allerhand Neues, es will die Hände erkunden, bemerkt einen Unterschied, ob die Arme hoch gestreckt werden oder herunterhängen, kann also seine Gliedmaßen kontrollierter bewegen und gezielt Grimassen schneiden. Das erste Spielzeug wird nun fest mit seinen kleinen Händchen gegriffen! Lass dich nicht verunsichern, dass das Baby deiner Freundin vielleicht andere Dinge während eines Schubs erlernt als dein Baby. Jedes Kind ist anders und manche sind eher „Macher“, andere „Beobachter“, und wieder andere lauschen lieber der Umgebung. Während allen Phasen kannst du dein Baby unterstützen, indem du meine oben genannten Tipps anwendest.

Welcher Wachstumsschub zu welcher Zeit? Hier ein Überblick:

Die Wachstumsschübe deines Babys im Überblick
Die Wachstumsschübe deines Babys im Überblick

Du siehst, fast in jedem Monat kannst du dich darauf gefasst machen, dass dein Baby sich weiterentwickelt und dazu einen Wachstumsschub durchmachen. Versuche, es während dieser Umbruchphasen zu unterstützen, indem du ihm die geforderte Nähe und Geborgenheit gibst und gehe auf dein Baby ein. Es wird dir schon zeigen, was es alles Neues entdecken möchte.

Ich wünsche Euch während dieser abenteuerlichen und spannenden Reise durch das erste Jahr ganz viel Kraft und Erfolg und alles Liebe.

Anna-Maria

  • Hebamme Anna-Maria Maier

    Autorin: Hebamme Anna-Maria Maier

    Als Hebamme begleitet und unterstützt Anna-Maria Maier Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett. Nun schreibt die Gründerin von Mamalie Geburtsvorbereitung für die Wunderwiege und teilt ihr Expertenwissen gerne mit uns und dir. Mehr erfahren

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