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Das KISS-Syndrom als weitere Ursache für bitterliches Weinen

Das KISS-Syndrom als weitere Ursache für bitterliches Weinen

Als frischgebackene Mama hat das Wohl deines Babys höchste Priorität und du möchtest immer einen Grund finden, warum es denn gerade weint. Hat es Hunger? Hat es Bauchweh oder tut ihm etwas anderes weh? Ist es ihm zu kalt oder zu warm? Was kann ich tun, damit es nicht mehr schreit? Oft weiß der mütterliche Instinkt schnell Rat und dein Kleines ist wieder zufrieden. Wenn du mal keine Antwort finden solltest, frage deine betreuende Hebamme um Rat. In besonderen Fällen kann sie dich und dein Baby zum Kinderarzt oder in eine Schreiambulanz weiterleiten. Dies kommt zum Beispiel vor, wenn dein Kind über Stunden, Tage oder sogar Wochen schreit und du als Elternteil nicht nur körperlich, sondern auch psychisch an deine Grenzen stößt. Dann könnte es sich bei deinem kleinen Schatz um ein sogenanntes Schreibaby handeln. Eine weitere Diagnose sollte bei länger andauerndem Schreien im Hinterkopf behalten werden: Das sogenannte KISS-Syndrom kann eine weitere Ursache dafür sein.

Was bedeutet KISS?

Die Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung (kurz KISS) ist eine Bewegungsstörung der oberen Halswirbelsäule. Es handelt sich also nicht um eine Krankheit, sondern um eine Fehlstellung bzw. eine Blockade im Nackenbereich, die zu asymmetrischen Haltungen und Bewegungen führt. 

Wie kommt es zu KISS und wie kann man es erkennen?

In vielen Fällen ist das KISS-Syndrom die Folge von einer ungünstigen Lage des Kindes im Becken während der Schwangerschaft sowie Geburten, bei der die Zange oder Saugglocke notwendig sind. Aber auch sehr schnelle Geburten, Not-Kaiserschnitte oder Zwillingsgeburten, bei denen das Baby unter hohem Druck durch den Geburtskanal gleitet oder es zu Drehbewegungen kommt, die das Kopfgelenk stark belasten, können so eine Blockade herbeiführen. So kann das KISS-Syndrom als weitere Ursache für bitterliches Weinen aufgeführt werden.

Oft wird die Fehlstellung relativ spät entdeckt. Typische Symptome sind zum Beispiel:

  • Probleme beim Stillen (Stillen oft nur einseitig oder in bestimmter Position möglich)
  • seitlich abgeflachter Kopf
  • stark ausgeprägtes Sabbern und Schluckprobleme
  • häufiges Schreien, besonders im Autositz oder Kinderwagen
  • sehr unruhige Schlafphasen und einseitige Schlafhaltung in C-Form
  • eine bevorzugte Lage, Blick- sowie auch Bewegungsrichtung
  • häufiges Haare raufen

Wer kann eine Diagnose stellen und ist es behandelbar?

Euer Baby weist all diese Symptome auf? Dann fragt ihr euch jetzt, wer diagnostiziert denn das KISS-Syndrom und was kann man dagegen tun? Ist es behandelbar oder muss das Baby damit leben?

Die Diagnose kann in der Regel von einem Osteopathen, Kinderarzt oder Kinder-Physiotherapeuten erfolgen. Diese ertasten die Halswirbelsäule und das Kopfgelenk und untersuchen sie auf ihre Beweglichkeit. In sehr seltenen Fällen können auch Röntgenaufnahmen gemacht werden, die die Stellung der einzelnen Wirbel zeigen.

Grundsätzlich ist das Kiss-Syndrom gut behandelbar. Ein Osteopath setzt bestimmte Handgriffe ein, um die Fehlstellung zu verbessern oder gar zu beheben. So könnt ihr möglicherweise schon kurz nach den ersten Behandlungen eine Verbesserung bei eurem Baby feststellen, es schreit weniger und die Schlafgewohnheiten verbessern sich. Längere oder auch Dauerbehandlungen sind selten nötig. Es ist aber möglich, dass die Fehlstellung bei Wachstumsschüben im Kleinkindalter mit ca. 3 Jahren oder zur Einschulung wieder auftritt.

Deshalb ist es wichtig, dass euer Kind später erneut auf die Fehlstellung untersucht wird, um mögliche motorische Schwächen oder Wahrnehmungsstörungen frühzeitig erkennen und diese behandeln zu können. Eine ausbleibende Behandlung der Fehlstellung kann zu Störungen im Entwicklungsprozess führen. Dazu gehören beim Baby unter anderem motorische Probleme, Haltungsschäden, Schlaf – und Entspannungsstörungen, eine gehemmte Sprachentwicklung und auch eine allgemeine Entwicklungsverzögerung.

Ob das KISS-Syndrom wieder auftritt und in welcher ausgeprägten Form, kann man so pauschal nicht vorhersagen. Wichtig ist es aber, dass ihr euren Weg findet, mit einem „Schreibaby“ umzugehen. Dazu könnt ihr euch auch eine psychologische Beratung suchen, die euch Wege und Möglichkeiten aufzeigen kann.

Das KISS ist umstritten…

Was ich nicht vorenthalten möchte, ist, dass das Thema KISS-Syndrom zwischen Schul- und Alternativmedizin sehr umstritten ist. Die Wirbelfehlstellung und deren Folgen konnten bisher nicht wissenschaftlich belegt werden. Aus diesem Grund zweifeln viele Schulmediziner an der KISS-Theorie. Alternativmediziner und viele Erfahrungsberichte von Eltern betroffener Kinder berichten hingegen von Behandlungserfolgen nach der Diagnose der Kopfgelenksfehlstellung.

Lasst euch immer beraten, wo ihr euch am besten aufgehoben und verstanden fühlt. Wenn euer Kind auf die Diagnose mit anschließender Behandlung positiv reagiert und ihr eine Verbesserung spürt, dann habt ihr alles richtig gemacht. Ob Kinderarzt, Osteopath oder Alternativmediziner, sie alle geben ihr Bestes für eure Kinder, auch wenn sich die Meinungen bei einigen Themen unterscheiden. Jedes Kind ist anders, wir alle sind verschieden und deshalb muss jeder seinen Weg finden.

„Es ist niemals verlorene Zeit, sein Kind zu tragen, sich um seine Bedürfnisse zu kümmern und so eine gesunde, glückliche Entwicklung zu fördern.“

-Unbekannt-

Deine Anna-Maria

  • Hebamme Anna-Maria Maier

    Autorin: Hebamme Anna-Maria Maier

    Als Hebamme begleitet und unterstützt Anna-Maria Maier Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett. Nun schreibt die Gründerin von Mamalie Geburtsvorbereitung für die Wunderwiege und teilt ihr Expertenwissen gerne mit uns und dir. Mehr erfahren

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