Ein Schreitagebuch als Unterstützung für Schreibabys

Ein Schreitagebuch als Unterstützung für Schreibabys

Die Ankunft eines Babys gehört zu den aufregendsten Zeiten im Leben zweier Menschen. Doch wenn sich der Neuankömmling als Schreibaby entpuppt, sind Eltern schnell an ihren Grenzen angelangt. Und das passiert, häufiger als gedacht. Wie ihr diese extreme Zeit übersteht, möchten wir euch gern anhand eines Erfahrungsberichtes unserer Kundin erzählen, deren Rettung ein sogenanntes Schreitagebuch war.

Die Suche nach Gründen für das andauernde Schreien

Ein Erfahrungsbericht unserer Kundin Tamara

Mitte Januar diesen Jahres kam der kleine Yannick zur Welt. Natürlich waren Vorfreude und Aufregung auf den kleinen Mann riesengroß. Tamara und ihr Mann Philipp malten sich das Familienleben kunterbunt aus. Ein bisschen anders kam es dann doch, denn der kleine Yannick war ein sogenanntes Schreibaby.

„Nach einer problemlosen Schwangerschaft und einer heftigen Geburt, die mit einem Notkaiserschnitt endete, erblickte unser Sohn das Licht der Welt. Er war ein Wunschkind, geliebt vom ersten Moment an. Nach wenigen Stunden der Ruhe und Ausgeglichenheit jedoch fing er an, bitterlich zu weinen.“

Tamara S., seit Mitte Januar stolze Mama von Yannick

Anfangs dachte die junge Mutter wie die meisten, dass alles normal sei – Babys brüllen eben. Wurde das den (werdenden) Eltern nicht auch von Außenstehenden gesagt? Selbst die Hebamme versuchte die junge Familie zu beruhigen, indem sie darauf hinwies, dass etwa zwei Stunden Geschrei pro Tag normal seien. Doch Yannick schrie keine zwei Stunden; er hörte einfach nicht auf. Den halben Tag schrie er ohne Unterlass und wenn er einmal nicht brüllte, wirkte er zumindest unzufrieden. Tamara und ihr Mann versuchten alles, um den Kleinen zu beruhigen, scheiterten jedoch auf ganzer Linie.

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen waren wenig erfolgreich

Alle Tipps wie Bauchmassagen, homöopathische Mittel, der Besuch beim Osteopathen sowie Stillen nach Bedarf brachten keine Erleichterung.
Nach fast drei Wochen, in denen ihr kleiner Sohn täglich mindestens fünf Stunden schrie, sprachen die überforderten Eltern mit ihrer Kinderärztin. Sie erklärte Tamara und Philipp, die meisten Babys hätten einen Grund für ihr Gebrüll. Dies könnten Hunger, eine volle Windel, Durst oder Schmerzen sein. Auch der Wunsch nach Geborgenheit und Zärtlichkeit wird auf diese Weise von den kleinen Geschöpfen geäußert.
„Warum jedoch manch ein Kind so lange und ausdauernd weint, kann bis heute niemand genau beantworten“, sagte die Kinderärztin. „Die berühmten Drei-Monats-Koliken gelten inzwischen als überholt, denn man vermutet, dass die Kinder nicht wegen der Bauchschmerzen weinen, sondern dass letztere durch das Schlucken von zu viel Luft beim Weinen verursacht werden.“

Das Gebrüll wurde immer schlimmer

Die Kinderärztin konnte nichts weiter tun als zu empfehlen, durchzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie gab Tamara und Philipp jedoch die Nummer einer Schreiambulanz, an die sie sich wenden sollten, falls sie Yannicks Geschrei nicht mehr aushielten.
Die Nummer wurde wie ein kleiner Schatz aufbewahrt, auch wenn die Eltern der festen Überzeugung waren, sie nicht zu benötigen. Irgendwie würden sie es schon allein schaffen. Also widmeten sie sich ihrem Alltag. Sie fuhren mit Yannick einkaufen oder zur Familie. Der kleine Sohn würde sich schon an diese Welt gewöhnen und das Geschrei würde sicher besser werden.
Doch es schien sich nur zu verschlimmern. Mittlerweile begann er bereits mittags zu schreien und hörte oft bis tief in die Nacht nicht mehr damit auf. Nach weiteren vier Wochen waren Tamara und ihr Mann so am Ende ihrer Kraft, dass sie die Schreiambulanz anriefen. Sie bekamen sofort einen Termin – und endlich wurde ihnen geholfen.

Das Schreitagebuch als Lösung

In der Schreiambulanz befragte man das Ehepaar zunächst und nahm auch den Tagesablauf mit Baby unter die Lupe. Es stellte sich heraus, dass Tamara und Philipp ihren Alltag ziemlich vollgepackt hatten. Hier ein Besuch bei Oma und Opa, dort ein Einkauf oder eine andere schnelle Erledigung… zu viel für einen kleinen Neuankömmling.
„Der Tagesablauf mit Baby sollte sich ruhig gestalten“, erklärte die Mitarbeiterin der Schreiambulanz. „Sorgen Sie für regelmäßige Ruhezeiten und führen Sie ein Schreitagebuch, um herauszufinden, wann genau Yannicks Schreiphasen beginnen.“
Das taten die beiden.

Minutiös zeichneten sie fünf Tage lang ihren Tagesablauf mit ihrem Baby auf und notierten, was sie wann taten, wann Yannick zu brüllen begann und wann er wieder aufhörte, wann er spielte oder gestillt wurde und wann er schlief. Selbst den Zeitpunkt, zu dem er gewickelt oder gebadet wurde, schrieben die beiden in ihr Schreitagebuch.
Nach fünf Tagen suchte die junge Familie erneut die Schreiambulanz auf und entwarf mit der Mitarbeiterin einen Plan, wie sie am besten mit Yannicks Gebrüll umgehen konnten. Mithilfe des Schreitagebuchs fanden die Eltern dabei etwas Erstaunliches heraus:

Die Erfolge mit dem Schreitagebuch

An ruhigen Tagen, an denen Tamara und Philipp fast nur zu Hause waren, schrie ihr Sohn Yannick weitaus weniger als an hektischen Tagen. Anscheinend hatten sie ihn mit ihrer Lebensführung überfordert. Das wollten sie nun ändern.
Wenn Yannick zu schreien begann, versuchten sie nicht mehr, ihn durch Gesang, Fingerspiele oder Spielzeug zu beruhigen, sondern legten sich mit ihm in ein abgedunkeltes Zimmer und waren einfach für ihn da.
Sie etablierten einen Rhythmus ganz für ihren Sohn – die Welt da draußen war nicht mehr so wichtig. Essentiell war, dass Tamaras und Philipps Kind geborgen aufwachsen und seine ersten Monate nach seinem eigenen Zeitplan leben kann. Mithilfe eines ruhigen Tagesablaufs, Entspannungstechniken für die Eltern, die sie in der Schreiambulanz lernten, sowie speziellen Massagen zur Lockerung der Babymuskulatur, gelang es, Yannicks Weinen auf zwei Stunden täglich zu reduzieren. Auch diese zwei Stunden waren anstrengend - aber kein Vergleich zu dem schier endlosen Geschrei, das die Familie zuvor begleitet hatte.
Heute können Tamara und Philipp mit Yannick das Familienglück genießen, das sie sich immer erträumt hatten, denn die anhalten Schreiattacken werden von Tag zu Tag weniger.

  • Hebamme Anna-Maria Maier

    Autorin: Hebamme Anna-Maria Maier

    Als Hebamme begleitet und unterstützt Anna-Maria Maier Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett. Nun schreibt die Gründerin von Mamalie Geburtsvorbereitung für die Wunderwiege und teilt ihr Expertenwissen gerne mit uns und dir. Mehr erfahren

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